AUSWAHL VON FEATURES/REPORTAGEN/HÖRSTÜCKEN 1990-2008
Bayerischer Rundfunk 2 - 25. September 2008
15.30-16.00 und 22.30-23.00 Uhr
BLICK ZURÜCK OHNE ZORN
Erinnerung und Versöhnung in Kambodscha
Über 30 Jahre ist es her, dass das Terror-Regime der
Roten Khmer in Kambodscha die Macht an sich riss. Die 'Revolutionäre'
folterten und ermordeten Millionen Menschen auf bestialische Weise,
rissen Familien auseinander, vertrieben die Bauern von ihrem Land.
Allgegenwärtiges Misstrauen und Denunziation machte aus guten
Nachbarn Tod bringende Feinde.
Bis heute leiden die Kambodschaner unter diesem Trauma:
Verarmte Bauern überleben am Straßenrand in erbärmlichen Hütten,
weil der Staat das von den Roten-Khmer enteignete Ackerland Gewinn
bringend an ausländische Konzerne verkauft. Fischerdörfer sind
verfeindet, weil niemand ihre Gewässer schützt. Und die Überlebenden
wagten bis vor kurzem nicht, über ihre Vergangenheit zu sprechen, denn
sie müssen noch immer Tür an Tür mit den Tätern leben.
Endlich, Jahrzehnte später, zieht ein internationales Tribunal
in Phnom Penh fünf hochrangige Kader öffentlich zur Rechenschaft.
Endlich brechen die Opfer und ihre Nachkommen das Schweigen.
Studenten drehen Dokumentarfilme über die Erfahrungen der Eltern, Überlebende eines Foltergefängnisses treten als Zeugen auf.
Ein ganzes Land beginnt, sich zu erinnern.
FELIX-REXHAUSEN-(Sonder)-PREIS 2008
Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen
für mein WDR3-Feature
"TANZ AUF DER GRENZE -
was ist Mann, was ist Frau?"
Verleihung: 26. Januar, Köln, im RUBICON
Begründung der Jury:
Was ist Mann, was ist Frau? Mit dieser Frage beschäftigt sich K. Kilanowski in ihrem fast dreistündigen Radio-Feature (30.6.07, WDR 3).
Ihre Antwort:
Die Welt lässt sich nicht eindeutig
in zwei Geschlechterkategorien einteilen.
Kunstvoll verschränkt sie Musik, Literatur,
O-Töne und Zitate miteinander und stellt Lebensläufe von bekannten und unbekannten Menschen
vor, die nicht typisch männlich oder typisch weiblich sind - wobei Homosexualität nur eine von vielen
Möglichkeiten ist, nicht den typischen Geschlechter-Klischees zu entsprechen.
(...)Kilanowskis opulentes Werk ist der Jury einen Sonderpreis wert.
WDR 3 - Musikpassagen, 9.1.2008 - 15:05 Uhr
ZWISCHEN DEN GESCHLECHTERN
Mit Kerstin Kilanowski
Eigentlich ist alles klar definiert. Bass, Bariton, Tenor - das sind die Männer. Alt, Mezzosopran, Sopran gehört den Frauen. Sie spielt Querflöte und Harfe. Er nimmt sich Pauken und Trompeten zur Brust.
Und dennoch: Das Androgyne spielt in der Musik eine faszinierende Rolle. Ob in der Oper, im Chanson oder bis hin zum Rock: Es sind die Uneindeutigen mit zwittriger Ausstrahlung die oft besonders glamourös und anziehend erscheinen. In der Renaissance und im Barock wurden die Stars unter den Kastraten geradezu fanatisch verehrt. Zum Glück werden schon lange keine kleine Jungen mehr entmannt, um Zeit ihres Lebens das besondere Timbre ihrer klaren Silberstimmen zu bewahren. Aber auch die heutigen Countertenöre schillern in ihren hohen Stimmlagen deutlich bunter als ihre tiefer liegenden männlichen Kollegen.
Im Kabarett wiederum betören Frauen im Smoking mit dunklen, erotischen Stimmen. Im Pop überschreiten fabelhafte Kunstwesen alle Geschlechtergrenzen. Und wer noch immer glaubt, dass Frauen hinter die Geige gehören, darf sich wundern. Viele der spannendsten Kompositionen mit Elektronik, Syntheziser und Soundtüfteleien am Computer stammen von Frauen.
Ein musikalisches Verwirrspiel.
Gemeinschaftsproduktion NDR/WDR 2007
WDR 3, Mittwoch 05.September 2007, 15.05 – 17.00
Musikpassagen
Cyber-Schamanen, Eismenschen und Weltenbürger
Zeitgenössische Klänge aus Norwegen
Norwegen ist weit weg, viel zu teuer und dünn besiedelt. Mag ja sein. Aber musikalisch gesehen ist das Land an der äußersten Nordwestecke Europas alles andere als eine kulturelle Hinterstube.
Ob im Jazz, in der experimentellen, improvisierten Musik oder im Cross-Over zwischen Tradition und Weltmusik, Norwegens Musiker bringen die innovativsten und spannendsten musikalischen Projekte auf den Weg. Die dichten Soundgewebe von Eivind Aarset, Terje Isungsets phantastische Eis-Instrumente und Fundstücke, die geloopten Stimmen-Samples von Frode Fjellheim, oder Mari Boine mit ihrem Cross-Over zwischen Joik-Gesang und rockigen E-Gitarren – die zeitgenössischen Klänge aus Norwegen gehören auf den internationalen Festivals zu den Top-Acts. Kerstin Kilanowski hat sich für die Musikpassagen im hohen Norden umgehört und sich unter anderem von Terje Isungset und Mari Boine erzählen lassen, wie die neue norwegische Musik entsteht.
Transjoik/Frode Fjellheim,
Mari Boine,
Inga Juuso,
Nils Petter Molvaer,
Frode Fjellheim Jazz Joik Ensemble
Terje Isungset,
Eivind Aarset,
Karl Seglem u.a.
Redaktion: Susanne Ockelmann
Radio WDR 3, 30. Juni 2007, 15.05-18.00 Uhr
WDR 3pm "Tanz auf der Grenze - Was ist Frau – was ist Mann?"
"Es ist ein Mädchen." Kein Merkmal bestimmt den Menschen stärker als das von Geburt an festgelegte Geschlecht. Welcher Junge will hören, dass er sich 'wie ein Mädchen' benimmt? Und welche Frau wäre nicht beschämt, wenn sie 'wie ein Mann' aussieht?
Wer zwischen den Geschlechtern steht, wird mal verachtet, mal bewundert.
Und dennoch: Quer durch die Kulturen und Zeiten faszinieren Menschen, deren Geschlechtszugehörigkeit zweideutig ist:
Virginia Woolf erfand mit 'Orlando' einen Mensch, der über die Jahrhunderte mehrfach das Geschlecht wechselt.
Shakespeare umwirbt in seinen Sonetten eine zwielichtige 'Dark Lady'.
Jeffrey Eugenides schrieb mit 'Middlesex' einen gefeierten Roman über eine Transsexuelle.
Transvestie-Shows verzaubern, weil männliche Darsteller Kunstfrauen jenseits jeder biologischen Natürlichkeit erfinden.
In der Popmusik feiern Stars wie David Bowie, Marla Glen, Boy George eine verführerische Zwitterexistenz. Counter-Tenöre singen heute die Parts von Kastraten mit überirdischen Stimmen, die nicht Frau und nicht Mann sind. Der Jazzmusiker Billy Tipton entpuppte sich nach seinem Tod als Frau.
Der zweigeschlechtliche Mensch nimmt in vielen Gesellschaften einen machtvollen Platz ein. Ob die Hijras in Indien, die Weibmänner der Navajos oder Jeanne d'Arc in der Rolle des Kriegers.
Eine literarisch-musikalische Collage aus der Welt der Cross-Dresser, Kings, Queens
und GrenzgängerInnen.
Texte von und über:
Virginia Woolf, Jeffrey Eugenides, Leslie Feinberg, Quentin Crisp, Jean Genet,
Vita Sackville-West, Billy Tipton, Romy Haag, Josephine Baker, David Bowie,
Bülent Ersoy, Diamanda Galas, William Shakespeare, Elias Canetti, Paul Verlaine,
Susan Sontag
Interviews mit:
Georgette Dee, Drag Kings und Gender-Benders aus Köln
Musik von:
Meredith Monk, Diamanda Galas, George Boy, Rocky Horror Picture Show, David Bowie, Romy Haag, Marlene Dietrich, Terry Riley, Billie Holiday,Kronos Quartett,
Pauline Oliveros, Mari Boine, Josephine Baker, Sting, Kimmo Pohjonen,
Alvin Curran, Nik Bärtsch, Bülent Ersoy, The Tiptons
Sprecher-Ensemble der Produktion:
Claude de Demo, Eva Garg, Ellenor Holder, Frank Jungermann, Anja Lais,
Marina Mathias, Harald Pilar von Pilchau, Simon Roden, Wolfgang Rüther
Radio WDR 3, 9. März 2007, 15.05-17.00 'Musikpassagen'
KÖNIGIN UND BETTELMANN
Mit Kerstin Kilanowski
Wo die Herrschenden residieren, sind die Armen nicht weit. Und wer bezahlt, gibt den Ton an.
Die balinesischen Gamelan-Orchester lieferten den Fürstenhöfen verfeinerte Entspannung.
Westafrikanische Griots sangen ihren Königen öffentliche Loblieder.
Der europäische Adel der Renaissance und des Barocks hielt sich Komponisten zur Untermalung opulenter Tafelfreuden.
In der bürgerlichen Oper wird der Kontrast von Arm und Reich noch einmal nachgespielt.
Rachsüchtige Königinnen beherrschen die Bühne, verkörpert von Opern-Diven, die nicht minder launisch sind.
Aber: 'Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine' (Bertolt Brecht), denn Die-Da-Unten, Habenichtse, Kleine Leute, spielen ihre eigene Weise.
Blinde Straßenmusiker, Fahrende, Zigeuner, Penner haben nichts zu bieten als ihre Lieder und die Hoffnung auf ein Almosen. Spätestens im 20. Jahrhundert stimmen auch entwurzelte Malocher ihr Lied von der Armut an: Hobos auf illegalen Wegen, entlassene Bergmänner aus Wales, von Dürre gemarterte Farmer des Mittleren Westens. In Songs, Chansons und Opern werden sie zu den neuen Helden. Die Königin hat abgedankt.
Unter anderem mit:
John Lee Hooker, Hobo Blues
Federico Moreno-Torroba, Schlösser in Spanien
Sting/John Dowland, Songs from the Labyrinth
Hanns Eisler/Ernst Busch, Ballade von der Wohltätigkeit
Gustav Mahler, Das irdische Leben
Pannach/Kunert, Kommst du heute nach Berlin
G.P. Telemann, Tafelmusik
Dona Rosa/Lissabon, Carta
Ziegel-Xylophon aus der Steiermark
The Tiger/Trinidad, Down the Road
W.A.Mozart/Zauberflöte, Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen
mare – die Zeitschrift der Meere
Ausgabe Februar/März 2007,
ROMANCIER DER HÖLLE –
Reportage über António Lobo Antunes
(Autorin: Kerstin Kilanowski)
Die einstige Seemacht Portugal hat während
der Kolonialzeit Großes geleistet und
Schreckliches vollbracht.
António Lobo Antunes ist das schreibende
Gewissen einer gezeichneten Nation.
(mehr in: mare No 60, Feb/März 2007)
www.mare.de
DLF 25.Juli.2008 20:10-21:00 Uhr
BR 2 26.Juli 2008 13:00-13:55
DIE NUTZLOSEN VON MAOJIAZHUANG
Chinas vergessene Landfrauen
Feature aus einem Bergdorf der Provinz Shaanxi
In Maojiazhuang, einem Dorf im Nordwesten Chinas, waren die Menschen
immer arm. Durch Chinas Marktwirtschaft wird der Druck im Alltag
noch größer. Einen Arzt kann sich kaum jemand mehr leisten, die hygienischen
Verhältnisse sind miserabel.
Die arbeitsfähigen Männer, ehemalige Bauern, sind auf Großbaustellen gezogen.
Nun müssen die Frauen den Alltag alleine bewältigen. Auf der untersten Stufe
stehen junge Ehefrauen, die bei den Schwiegereltern leben und dort die härteste
Arbeit bewältigen müssen. Die Demütigung, 'ohne Mann' zu sein, stürzt viele
in seelische Krisen. Aber wer sich beklagt, verliert das Gesicht. Immer wieder
nehmen sich Landfrauen das Leben, weil sie sich nutzlos fühlen.
Seit kurzem keimt Hoffnung in Maojiazhuang auf: Zum ersten Mal haben die
Dorfbewohnerinnen einen Ort ganz für sich. Unternehmerinnen und Künstler
aus Shanghai, Amsterdam und Hongkong verhalfen dem Dorf zu einem
Badehaus – soziales Zentrum und Ort künstlerischer Betätigung zugleich.
Von den StädterInnen angeregt, verwandeln die Frauen ihre Stickarbeiten in
originelle Kunstobjekte. Und sie beginnen, im Badehaus über ihre Sorgen
zu sprechen.
Maojiazhuangs Frauen gewinnen ihr Gesicht zurück
WDR 3, Musikpassagen,
6. September, 15.05-17.00 Uhr
OZEANRAUSCHEN UND HAFENBARS
Musik rund ums Meer
(Autorin: Kerstin Kilanowski)
Abenteuer, Sehnsucht und Gefahr das Meer hat klassische Komponisten, Chansontexter und Schlagerinterpreten gleichermaßen inspiriert. Für seefahrende Völker sind die Ozeane Heimat und Handelsweg, auf die Landratten übt das Meer eine gefährliche Faszination aus. Wer auf hoher See ist, sehnt sich nach Hause. Und wer am Ufer steht, träumt von der Großen Fahrt. Im Hafen treffen sie alle zusammen: Fischhändlerinnen und Kapitäne, schwere Jungs und leichte Mädchen, Glücksucher und Gestrandete.
Unter anderem mit:
Kurt Weill, Seeräuber-Jenny
Jean Sibelius, Ozeaniden
Claude Debussy, Sirènes
Felix Mendelsohn-Bartholdy, Ouvertüre "Die Hebriden", op. 26
Heiner Goebbels/Alfred Harth, Abbau des Schiffes Oskawa durch die Mannschaft
Charles Trenet, La Mer
Otis Redding, Sitting at the Dock of the Bay
Polynesische Kanu-Gesänge
Inuit-Klage (Kanada North West Territories)
Amália Rodrigues, Maria Lisboa
Cesaria Evora, Paraiso di atlantico
SWR 2, ECKPUNKT, 3.Juli 2006, 10.05 Uhr
NIE GEZEIGTE SCHWERSTARBEIT'
Der Filmemacher Michael Glawogger und sein Dokumentar-Essay 'Workingman's Death'
Über vier Jahre recherchierte der Österreicher Michael Glawogger für seinen Film an entlegenen Ecken der Welt. Er suchte Arbeitsplätze auf, an denen die Menschen unter kaum vortellbaren Bedingungen schuften. Schiffsabwracker in Pakistan, die per Hand gigantische Öltanker zerlegen. Ukrainische Bergleute, die sich durch kniehohe Stollen graben. Schächter auf einem nigerianischen Schlachtplatz. Indonesische Kulis, behangen mit 100 Kilo schweren Körben. Der Filmemacher widerlegt die Behauptung, daß körperliche Schwerstarbeit im 21. Jahrhundert nicht mehr exisistiert. Zugleich greift er den Mythos vom sowjetischen Arbeiter-Helden auf. Die heutigen 'Helden' erhalten für ihre Knochenarbeit nur mageren Lohn und keinerlei Ruhm.
Mit Interview und Filmmusik.
WDR 3 - 3pm - 4. Februar 2006, 15-18
Uhr
Konzeption+ Regie: Kerstin Kilanowski und Wolfgang
Hamm
Redaktion: Gabriele Faust
"PHANTOM
AFRIKA" - eine transkulturelle Bewußtseinstherapie
Bis heute ist unser Bild von Afrika
geprägt durch negative Schlagzeilen, exotische Projektionen und zählebige
Klischees. Der sogenannte dunkle Kontinent vertritt das ganz Andere. Doch
was "hier" als fremd und unverständlich wahr genommen wird,
ist "dort" ganz normaler Alltag. Diese Text-, Sound- und Musik-Collage
verordnet dem europäischen Blick auf Afrika eine "transkulturelle
Bewußtseinstherapie".
Zur Sprache kommen afrikanische Schriftsteller/innen, Musiker und Bauern
mit ihrer Sicht auf das eigene Leben; Afrikaner, die in Deutschland leben;
Deutsche, die mit Afrikanern liiert sind.
Mit historischen Texten von europäischen
Forschern und Abenteurern
und literarischen Texten aus Afrika von:
Chinua Achebe, Chenjerai Hove, Tierno Monenembo, Ngugi wa Thiongo, Ousmane
Sembene, Tsitsi Dangarembga, Patrice Nganang, Ken Saro-Wiwa, Emmanuel Dongala ....
Ebenfalls mit von der Partie:
Johann Gottfried Herder, Daniel Defoe, Joseph Conrad, Tania Blixen, André
Gide,
Ernest Hemingway.
Die Klangaufnahmen und Interviews der Autoren entstanden zwischen 1989 und
2003 im Senegal, Uganda, Zimbabwe, Namibia, Guinea, Gambia.
Mit Musiken aus der Kalahari, Zimbabwe, Mali, Südafrika, Guinea.
SWR
2, 27. DEZEMBER 2005, 21.03-22.00 Uhr
LITERATURFEATURE
KAPUTTER BULLE
SUCHT VERLORENE ILLUSIONEN
Der kubanische
Schriftsteller LEONARDO PADURA
und sein Havanna-Quartett
Autorin: Kerstin Kilanowski
Regie: Alexander Schuhmacher
Das Werk des Autors erscheint im www.unionsverlag.ch
Mit seinem "Havanna-Quartett"
hat der Schriftsteller Leonardo Padura (geb. 1955) eine Welt erschaffen,
die die Schattenseite Kubas ausleuchtet. Im Zentrum der vier Romane steht
der Kriminalermittler Mario Conde, ein desillusionierter, dem Alkohol zugetaner
Mann, der im Verlaufe der Jahre die Mythen und Lügen der sozialistischen
"Idealgesellschaft" entlarvt.
So stellt Conde bei seinen kriminalistischen Recherchen fest (und mit ihm
der Leser), daß der "Neue Mensch" der Revolution von 1959
eine Schimäre ist.
Vorbildliche Funktionäre setzen sich ins kapitalistische Ausland ab;
staatliche Enteignungen entpuppen sich als hochorganisierter Kunstraub;
eine ehemalige Schulkameradin geht für Dollars mit reichen Touristen
ins Bett; die Karriere eines gefeierten Theaterregisseurs wurde wegen "homosexueller
Abweichung" mit dem Arbeitslager beendet.
Und in Mario Condes Polizeizentrale von Havanna hat "Genosse Korruption"
übernommen.
Leonardo Padura stellt der verkommenen Nomenklatura Kubas eine kleine Gruppe
von Anti-Helden entgegen, der Freundeskreis des Polizisten Mario Conde:
ein Kriegsversehrter aus Angola, ein hitzköpfiger Mulatte, ein melancholischer,
unterbezahlter Arzt. Hartgesottene Kneipengänger und Überlebenskünstler
mit großem Herz.
Eine heimliche Hauptrolle spielt Havanna, durch die Conde und seine Leute
streifen, mit ihren zusammengestürzten Palästen, überbevölkerten
Altstadthäusern, dem tosenden Verkehr und den heruntergekommenen Kneipen.
Der Autor Padura bezieht seinen Romanstoff aus realen Ereignissen der Geschichte
Kubas, aber, so der Schriftsteller:
"Wichtiger als dokumentarische Fakten sind Gefühle, Atmosphäre,
Stimmung, von denen meine Generation geprägt wurde."
Eine Generation, deren Autoren sich als "Literaten der Enttäuschung"
bezeichnen.
Die Autorin hat im Frühjahr 2005 zwei Wochen Havanna besucht und ist
in die Klänge, Geräusche, Stimmen und Musiken der legendären
Stadt eingetaucht.
Interview mit Leonardo Padura
WDR 5, 13.Dezember 2005, 10.15
Uhr
(Länge: 18 Minuten)
Die EINTRACHT e.V. AM FUDJIJAMA
Ein Oberbergischer Männergesangsverein
auf Japan-Tournee.
65 Sänger der kleinen Ortschaft
Morsbach aus dem Bergischen Land können ihr Glück kaum fassen:
ihr Gesangsverein "Eintracht" ist als einziger deutscher Laien-Chor
auf die Weltausstellung 2005 nach Japan eingeladen worden. Ein Tross von
neunzig Leuten macht sich im September auf in das Land von Hightech und
Tempeln, im Gepäck das "Ännchen von Tharau", Schuberts
"Abendfrieden" und den "Deutschmeister-Regimentsmarsch".
Kraftfahrer, Elektriker, Bauern und Anstreicher lernen den Unterschied zwischen
Buddhismus und Shintoismus kennen, kämpfen mit rohem Fisch und Stäbchen.
Und sind zu Tränen bewegt, wenn das japanische Konzertpublikum die
deutschen Volkslieder mitsingt.
Die Autorin Kerstin Kilanowski, selber in Morsbach heimisch geworden, beobachtete
die Reise der Sänger zwischen Tokio und Kyoto.
3pm - JEDER
SUCHT SICH SEIN STÜCK KUBA
VON SEHNSÜCHTEN UND ANDEREN REALITÄTEN
WDR 3, 08. Oktober 2005
Seit ihrer Entdeckung weckt die Karibik-Insel
verborgene Wünsche und Schreckensphantasien gleichermaßen. Die
Einen wollen um jeden Preis das ferne Eiland erreichen, um Goldschätze,
neue Territorien und schöne Mulattinnen zu erobern. Andere riskieren
ihr Leben, um aus Kuba rauszukommen.
Für die Intellektuellen Europas galten die Kubaner in den sechziger
Jahren als David, der dem übermächtigen Goliath USA frech den
Sozialismus vor die Nase gesetzt hat.
Ein kleines Volk, das ohne Hilfe von außen eine Revolution mit bärtigen,
jungen Männern zustande brachte und den Diktator zum Teufel jagte.
Che Guevara wird politische - und erotische- Leitfigur für eine ganze
Generation.
Castros Kritiker sprechen dagegen vom größten Gefängnis
der Welt.
Hunderttausende Kubaner wurden zum Vorzeigesymbol der USA, weil sie die
Insel auf improvisierten Flößen flohen. Jene Schriftsteller und
Künstler, die trotz Repressalien und Resignation ihr Land nicht verlassen
wollen, kennt dagegen kaum jemand.
Ob in den vierziger Jahren, als die Mafia Spielcasinos und Bordelle dirigierte,
ob zu den Zeiten der "Spezialperiode in Friedenszeiten", in der
die Kubaner Hunger litten - Kuba ist immer auch ein Reiseziel von Fernwehkranken
gewesen: die Karibik und das daiquiri-blaue Meer, rasante Mulattinnen, die
ihre Körper bis heute zu Markte tragen, Erinnerungen an linke Utopien
eines tropischen Sozialismus - und die kubanische Musik, gespielt von eleganten,
alten Herren.
Eine Sendung voller Klänge aus
Havanna und Santiago, mit Tondokumenten aus dem Kalten Krieg, mit Stimmen
von Bäuerinnen und Poeten, mit literarischen Texten von Helden und
Verstoßenen.
DAS
GLOBALE DORF
-Ausländer in der Provinz-
SWR 2, "Eckpunkt", 19. September 2005, 10.05-10.30 Uhr,
Ein bescheidenes Dorf im Dreiländer-Eck
NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen.
Ein Ort, wie es ihn unzählige Male gibt. Ungewöhnlich ist allerdings,
daß hier Menschen aus über fünfzig Nationen leben: Nachkommen
der ersten Gastarbeiter, Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, heiratswillige
Frauen aus der Dritten Welt und ganz normale EU-Bürger. Sie erzählen
über ihre Herkunft, was es heißt, ein Fremder zu sein, über
die Suche nach Heimat. Und manche schweigen, aus Scham, aus Angst vor Abschiebung
oder weil sie die Vergangenheit vergessen möchten.
Stimmen aus dem Libanon, Kosovo, Kirgisien,
Thailand, Kongo, Syrien, der Türkei .... mitten in der deutschen Provinz.
Literaturfeature:
"MIT WORTEN DIE GESPENSTER BANNEN"
DAS LITERARISCHE LABYRINTH DES ANTONIO LOBO ANTUNES
NDR
3/Kultur, 3.Mai 2005, Kulturforum: 20-21 Uhr
Antonio Lobo Antunes
gehört zu den großen literarischen Stimmen Portugals. Seit Ende
der siebziger Jahre veröffentlicht der Autor umfangreiche, hochkomplexe
Romane,die den Mythos der ehemaligen Weltmacht demontieren. Antunes schlachtet
sämtliche Heiligen Kühe³ der portugiesischen Geschichte:
die Entdeckung neuer Kontinente, der Kolonialkrieg in Afrika, die durch
Gottes Gnaden legitimierte Macht einer jahrhunderte alten Oligarchie, die
Diktatur Salazars bis hin zur Nelkenrevolution³ . Ein menschliches
Arsenal macht-, geld- und sexgieriger Figuren bevölkert Antunes¹
Werk, zeigt unter dem Deckmantel des juste milieu¹ ein unbarmherziges
Anlitz.
Zugleich sind diese Menschen Opfer des selbst verschuldeten Unglücks,
zeigen unfreiwillig ihre verborgenen Bedürfnisse nach Wärme und
Lebendigkeit. Der Autor erfindet für diese Stimmenvielfalt eine literarische
Technik, die mit dem Begriff Bewußtseinsstrom¹ nur unzureichend
erfaßt wird. AlogischeZeitsprünge, die Gleichzeitigkeit von Vergangenem
und Gegenwart, Stimmen, die einander ins Wort fallen, den Leser beständig
zu neuen Stellungnahmen zwingen, schaffen eine äußerst dichte
Textur.
Hinter allen vordergründig historischen und politischen Themen stehen
allerdings die zentralen Fragen der conditio humana: Fragen nach der Identität,
der Liebe, dem Sinn allen Tuns.
Und die Angst vor dem beständig näher rückenden Tod.
Lachende
Ahnin - Steinaltes Kind
Die amerikanische Komponistin Meredith Monk.
(WDR 3, "Musikfeature", 58 Minuten, Feb 2004)
Vor über vierzig Jahren begann die künstlerische Laufbahn einer
Frau, die heute zur ersten Riege der amerikanischen Avantgarde gehört.
Meredith Monk ist beheimatet im Tanz, der Choreo-graphie, Kompostion, vor
allem aber der Vokal-Performance. Kaum eine Vokalkünstlerin hat zuvor
ein derart breites Spektrum stimmlicher Ausdrucksformen gewagt: Meredith
Monk knarzt, heult, summt, singt mit mädchenhafter Stimme, wispert
wie eine Alte. Die Vielgestaltigkeit der charismatischen Künstlerin
spiegelt sich auch in der kompositorischen Arbeit: Sie schreibt für
kleine Chöre, gemischte Instrumentalgruppen, Opernensembles. Die Zusammenarbeit
mit anderen MusikerInnen bildet ein enges Geflecht aus persönlichen
Erfahrungen, gesellschaftlichen Reflexionen und Spiritualität. "Mercy",
ihre letzte Veröffentlichung, ist eine poetische Reise über menschliches
Mitgefühl und Zivilcourage.
27. Oktober 2004
- 90. Geburtstag von Dylan Thomas
Feature mit O-Tönen des Dichters kann beim NDR 3, Red. H. Kesting,
zur Übernahme angefordert werden.
Bei Bedarf biete ich auch kürzere Beiträge zum selben Thema an.
Dichter
und Kneipenclown - das kurze Leben des Dylan Thomas.
Zu seinem 50. Todestag.
NDR Kultur, "Kulturforum", Red. H.Kesting, 55 Minuten,
Okt 2003
Dylan Thomas, geboren 1914 in Swansea, Sohn eines Gymnasiallehrers, flog
mit 16 von der Schule und arbeitete einige Monate bei einer walisischen
Zeitung. Den Rest seines kurzen Lebens widmete er sich der Dichtung. Bereits
mit 18 Jahren erhielt er literarische Anerkennung von den großen Dichtern
seiner Zeit. Thomas gilt bis heute als einer der wichtigsten und anspruchsvollsten
Lyriker des 20.Jahrhunderts. Seine schwer übersetzbaren Gedichte spielen
mit metaphysischen Bildern aus der Natur, der Liebe, der Frage nach dem
Verhältnis von Gott und Mensch. Das Hörspiel "Unter dem Milchwald"
gehört zu den wichtigsten Stücken der Rundfunk-Literatur.
So ernst und dunkel seine Gedichte sind, so komisch und überspannt
wirkte Thomas' Persönlichkeit auf Freunde und Verleger.
Dylan Thomas starbt mit nur 39 Jahren an Alkoholismus während einer
Vortragsreise in New York.
Mit Originalaufnahmen von Lesungen, Vorträgen und Rundfunk.
Der
Kannibale will nicht länger Mündel sein.
Der literarische Blick auf Afrika.
SWR 2, 2003, 45 Minuten
Seit der Europäer Afrika bereist, schreibt er über grausam-kindische
Menschen, eine bedrohliche Natur und unerträgliches Klima. Die Grenzen
zwischen Fiktion und dokumentarischen Berichten lösen sich dabei bis
ins Unkenntliche auf. Ob Shakespeare, Hemingway oder Chatwin: Der "dunkle"
Kontinent vertritt das ganz Andere. Was "hier" allerdings als
fremd wahr genommen wird,ist "dort" Alltag. Exotik ist Projektion
und Interpretation der Wirklichkeit. Dem europäischen Blick auf Afrika
wird in dieser Text- und Klang-Montage widersprochen durch die Literatur
afrikanischer Autoren.
Mündlich überlieferte Epen, realistische Romane der Kolonialzeit
bis hin zu sarkastisch-kritischen Texten urbanen Lebens im ausgehenden 20.
Jahrhundert erzählen vom Selbstbild afrikanischer Schriftsteller.
Mit Texten von: Chinua Achebe, Ngugi wa Thiong'o, Ousmane Sembène,
J.G. Herder,
Tania Blixen, André Gide, Joseph Conrad, Daniel Defoe.
Fremde
Stimmen von den Rändern Europas.
(Sprachen und Klänge der Samen, Gälen, Waliser, Korsen)
SWR 2/HR 2/NDR 3/Radio DRS-Schweiz, 2002, 55 Min.
Gefördert durch ein Hörspielstipendium der Filmstiftung NRW, eingereicht
für Prix Italia und Prix Europa
Manche bekamen Schläge in der Schule, andere blieben schlichtweg
sitzen, wenn sie ihre Muttersprache benutzten. Die Geschichte der europäischen
Minderheiten ist eine Geschichte von Demütigung und Unterdrückung.
An den abgelegenen Rändern, auf Inseln, in Bergregionen und Grenzgebieten
halten die "Ureinwohner" Europas noch immer an ihren alten Sprachen
fest.
Samisch, Walisisch, Korsisch, Gälisch: wenig gehört, oft belächelt,
selten verstanden. Die Autorin besuchte Rentierzüchter in Lappland,
Tweed-Weber und Fischer auf den schottischen Hebriden, Kastanienbauer auf
Korsika, Bergarbeiter in Wales. Es sind zumeist arme Leute, die über
ihre Arbeit und Geschichten erzählen. Eine Soundscape-Reise an die
Peripherien Europas mit aussterbenden Sprachen, Umweltklängen, regionalen
Musiken.
Elektronisches
Akkordeon sucht Signalprozessor mit Herz
-Die Klangwelt von Pauline Oliveros-
(WDR 3, Musikfeature, 58 Minuten, 2002)
Die Jungfräulichkeit
ist dein Spiegel/Frauenemanzipation in Marokko
(SWR 2, "Eckpunkte", Red. Nadja Odeh, 28 Min., 2001)
Wie Stimmen Gefühle aufdecken -
oder wie ich meiner Geige das Sprechen beibrachte
(Mythos weibliche Stimme)
Ko-Autorin: Gisela
Schinawa (SWR 2, 90 Min.)
Mythen, Sagen und Märchen erzählen in allen Kulturen von der Gefährlichkeit
weiblicher Stimmen. Nixen, Sirenen, Harpyen, Undinen bringen mit betörenden
Gesängen Verderben über die Menschheit. Auch im realen Leben liegt
die Frauenstimme immer knapp daneben: zu schrill, zu piepsig, zu dünn.
Wenn Frauen laut werden, riskieren sie Kopf und Kragen. Als Hexe und Hysterikerin,
als Operndiva oder Sufragette. Zum Verstummen hat man sie trotzdem nicht
gebracht. Im Gegenteil: Seit den siebziger Jahren erobern sich Performance-Künstlerinnen
mit nie zuvor gehörten Stimmen einen öffentlichen Raum. Elektronisch
verfremdet wie Laurie Anderson, vokal-akrobatisch wie Meredith Monk, zwischen
sibirischer Tradition und Avantgarde wie Sainkho Namtchylak. Eine akustische
Reise mit historischen Texten vom "Hexenhammer" bis zum feministischen
Philosophie-Diskurs. Mit Literatur und Poesie zwischen Macbeth und Ingeborg
Bachmann. Mit Gesängen griechischer Klageweiber und Performance-Künstlerinnen
des 21. Jahrhunderts.
Gemästet,
geschnürt, beschnitten (Rituelle Verformungen des Frauenkörpers)
(DLF, Studiozeit, Red. Michael Röhl, 50 Min., 2000)
Sainkho, Diamanda
und Co (Koautorin: Gisela
Schinawa)
-Vokale Grenzgängerinnen zwischen Ur-Emotion und Avantgarde-
(DLF, Studiozeit, Red. Frank Kämpfer, 50 Min., 1999)
"Ein
Tag im Leben der Geta Ba"- Frauenleben in Sahel
WDR 5, 25 Min.
Die Wunden der
Schönheit
(HR 2, Red. Gisela Brackert, 40 Min., 1997)
Ausgezeichnet mit dem Elisabeth-Selbert-Preis 1999
Tango - ein trauriger
Gedanke, den man tanzen kann
(WDR 5, Am Vormittag, Red. Regina Tanne, 20 Min., 1997)
Der Pow Wow bringt
uns wieder zusammen
(Soziale Verelendung und Spiritualtät bei den Ureinwohnern Kanadas)
(Koautorin: Gisela Schinawa)
(NDR, Red. Ursula Voss, 55 Min., 1996)
Wider den schlechten
Ton
(Die akustische Neugestaltung unseres Alltags)
(WDR 3, Konturen, Red. Nora Schattauer, 30 Min., 1996)
Und sie komponierten
doch....
(Vergessene Komponistinnen)
(WDR 3, Konturen, Red. Nora Schattauer, 30 Min. 1995)
Sehnsucht
nach Steppengras und Jurten (Nomadenleben in Südsibirien)
WDR 1, 110 Min.)
Was heißt
'Spirituelle Suche'?
(Reportage über esoterische Gemeinschaften in Deutschland/ Schamanismus,
Reiki,
Zen, tib. Buddhismus...)
(WDR 1, Ohrzeit, Red. Nora Schattauer, 85 Min. 1994)
Wölfinnen
im Schafspelz (Frauenverlage in der 3. Welt)
(HR 2, Red. Gisela Brackert, 30 Min., 1993)
Zum Schluß
kamen großer Schmerz und viele Geschenke
(Genitalverstümmelung in Westafrika)
(NDR 4, Red. Armin Schwing, 30 Min., 1993)
Wir sind die Meister
des Wortes (Orale Tradition in Westafrika)
(WDR 3, Red. A.Kranefuss, 58 Min., 1992)
Gestern habe ich
wieder Abenteuer erlebt... (Erinnerungen an Virginia Woolf)
(WDR/NDR, Red. A. Kranefuss/A.Wang) 58 Min., 1991)
Immer noch ein
Seiltanz (Reportage aus Namibia vor der Unabhängigkeit)
(WDR, Red. Peter Faecke, 58 Min., 1990)
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