HÖREN
- HÖREN- HÖREN!!!
Radiotip: WDR 3 open: soundworld
19 Januar 2010, 23:05-24:00
BERLINISTAN BEYOND ISTANBUL
- Ipek Ipekçioğlu, D-Jane -
Die türkischstämmige Berlinerin D-Jane İpek, bürgerlich İpekçioğlu, inszeniert mit ihrem Musik-Mix gefragte Club-Nächte
zwischen Stockholm, Los Angeles und Amsterdam. Scheuklappe, musikalisch wie menschlich, ist ein Fremdwort für die offen
lesbisch lebende Musikerin, die seit zehn Jahren im Kreuzberger Club „SO36“ einmal monatlich die Turntables bedient.
„Gayhane“ heißt das Ereignis, das Hunderte von Menschen, auch aus der türkischen schwul-lesbischen Szene, anzieht.
So bunt wie das Publikum sind die Musiken, die İpek zusammenfährt. Traditionelle kurdische Lieder treffen auf aktuelle
Elektroniksounds vom Bosporus, indische Bollywood-Klänge auf Techno. D-Jane İpek hat mehrere CD-Compilations
veröffentlicht; eine davon, „Beyond İstanbul”, stand 2006 auf der Bestenliste des „Preises der deutschen Schallplattenkritik“.
Radiotip: WDR 3 open: soundworld
17.Februar 09, 23:05-24:00
LOST AND FOUND IN NORWAY
Karl Seglem und Terje Isungset im Porträt
Hölzernes Treibgut, Hörner von Ziegenböcken und
Klangskulpturen aus Eis - das sind einige der Materialien, mit denen sich der Perkussionist T. Isungset
und der Saxofonist K.Seglem den Rändern von Jazz,
traditioneller Volksmusik und freier Improvisation
nähern.
Beide Musiker integrieren die ungezähmte
Natur Norwegens, um vergessene Klänge in musika
lische Landschaften zu verwandeln.
Terje Isungset schneidet per Hand im Winter bei
Minusgraden Eis zu Instrumenten, denen er zarte,
warme Klänge entlockt. Zugleich arbeitet er mit
Musikern aus China und Nigeria.
Der Tenor-Saxofonist Karl Seglem lädt traditionelle
Instrumentalisten wie den Hardanger-Fiedler Hakon
Hoegemo ein,um nie gehörte Sounds zu erschaffen.
Filigrane Obertöne, raue Naturklänge verbinden sich
mit Jazz zu einer groovenden 'Volks'musik des 21.
Jahrhunderts.
Und ab und zu treffen sich die beiden wilden Männer
des Nordens, um ihre verrückten Projekte gemeinsam
zu realisieren.
DEUTSCHLANDRADIO KULTUR 11. Januar 2009, 0:05-1:00 Uhr
KAPUTTER BULLE SUCHT VERLORENE ILLUSIONEN
Leonardo Padura und sein Havanna-Quartett
(Produktion SWR 2005)
Mit seinem "Havanna-Quartett" hat der Schriftsteller Leonardo Padura
(geb. 1955) eine Welt erschaffen, die die Schattenseite Kubas ausleuchtet.
Im Zentrum der vier Romane steht der Kriminalermittler Mario Conde, ein
desillusionierter, dem Alkohol zugetaner Mann, der im Verlaufe der Jahre
die Mythen und Lügen der sozialistischen "Idealgesellschaft" entlarvt.
So stellt Conde bei seinen kriminalistischen Recherchen fest
dass der "Neue Mensch" der Revolution von 1959 eine Schimäre ist.
Vorbildliche Funktionäre setzen sich ins kapitalistische Ausland ab;
staatliche Enteignungen entpuppen sich als hochorganisierter Kunstraub;
eine ehemalige Schulkameradin geht für Dollars mit reichen Touristen
ins Bett; die Karriere eines gefeierten Theaterregisseurs wurde wegen "homosexueller Abweichung" mit dem Arbeitslager beendet.
Und in Mario Condes Polizeizentrale von Havanna hat "Genosse Korruption"
übernommen. Leonardo Padura stellt der verkommenen Nomenklatura
Kubas eine kleine Gruppe von Anti-Helden entgegen, der Freundeskreis
des Polizisten Mario Conde: ein Kriegsversehrter aus Angola, ein hitzköpfiger
Mulatte, ein melancholischer, unterbezahlter Arzt. Hartgesottene Kneipengänger
und Überlebenskünstler mit großem Herz.
Eine heimliche Hauptrolle spielt Havanna, durch das Conde und seine Leute
streifen, mit seinen eingestürzten Palästen, überbevölkerten Altstadthäusern,
dem tosenden Verkehr und den heruntergekommenen Kneipen.
Der Autor Padura bezieht seinen Romanstoff aus realen Ereignissen der
Geschichte Kubas, aber, so der Schriftsteller:
"Wichtiger als dokumentarische Fakten sind Gefühle, Atmosphäre, Stimmung,
von denen meine Generation geprägt wurde."
Eine Generation, deren Autoren sich als "Literaten der Enttäuschung" bezeichnen.
Mit Original-Städtklängen aus Havanna und Interview
Sonntag, 19.10.2008, 06.05 - 06.30 / 17.05 - 17.30 Uhr
NDR Info - LEBENSWELTEN
Das Schweigen brechen
Kambodscha - ein Land beginnt, sich zu erinnern
Eine Reportage von Kerstin Kilanowski
Über 30 Jahre ist es her, dass ein Terror-Regime ohnegleichen in
Kambodscha die Macht an sich riss. Die 'revolutionären' Roten-Khmer
folterten und ermordeten Millionen Menschen auf bestialische Weise, rissen
Familien auseinander, vertrieben die Bauern von ihrem Land.
Allgegenwärtiges Misstrauen und Denunziation machte aus guten Nachbarn
Tod bringende Feinde. Bis heute leiden die Kambodschaner unter diesem
Trauma: Verarmte Bauern überleben am Straßenrand in erbärmlichen Hütten,
weil der Staat das von den Roten-Khmer enteignete Ackerland Gewinn
bringend an ausländische Konzerne verkauft. Fischerdörfer sind verfeindet,
weil niemand ihre Gewässer schützt. Und die Überlebenden wagten bis vor
kurzem nicht, über ihre Vergangenheit zu sprechen, denn sie müssen noch
immer Tür an Tür mit den Tätern leben. Endlich, Jahrzehnten später, zieht
ein internationales Tribunal in Phnom Penh fünf hochrangige Rote-Khmer öffentlich zur Rechenschaft. Endlich brechen die Opfer und ihre Nachkommen
das Schweigen. Studenten drehen Dokumentarfilme über die Erfahrungen der
Eltern, Überlebende eines Foltergefängnisses treten als Zeugen auf. Ein
ganzes Land beginnt, sich zu erinnern.
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